Die Todesengel meiner persönlichen Lesefreude sind die Satzmonster. Egal, ob Blogpost, Zeitungsartikel – oder diese elende dreiviertel Seite in meinem neuen Buch am Nachtkästchen. XXL-Schlauberger-Sätze nerven – und langweilen. Wegen diesem: Äh, Moment, worauf bezieht sich dieser Einschub? Wie hat der Satz nochmal angefangen? Was war der Ausgangspunkt? Woher kommt dieser Gedankenstrich nun wieder?

Besser schreiben heißt öfter Punkte zu machen, Punkt!

Satzmonster verschlingen ganze Seiten auf einmal. Und meistens gleich auch die Freude am Lesen.

Ach vergiss es! Ich geh fernsehen. 

Wer als Autor keinen Punkt machen kann, den stoppen seine Leser. Weggeklickt, überblättert, auf ewig ins Bücherregal verbannt: Nichts leichter als das. Wer liest, stellt dem Autor seine ganze Aufmerksamkeit zur Verfügung. In Zeiten ständiger Infoflut eine Auszeichnung. Autoren, die damit fahrlässig umgehen, ist echt nicht zu helfen. Außer vielleicht damit:

Satzmonster gehören kaltblütig gekillt. Wie? Indem man sie zerstückelt, und zwar Punkt für Punkt. Da haben alle was davon.

Erstens: Orientierung.

Punkte reihen Gedanken, Aussagen, Beobachtungen aneinander. Wo Punkte sind, ist Übersichtlichkeit. Beistriche erfüllen eine ähnliche Aufgabe, haben aber den Nachteil, dass viele sie nicht richtig setzen können. Weshalb Beistriche oft eher verwirren als gut durch den Text lotsen. Also lieber auf Nummer Sicher. Punkte!

Zweitens: Dranbleiben möglich.

Ich kann kurz mal vom Text aufsehen und mein Kind in Ruhe dabei beobachten, wie es sein Tomaten-Butterbrot in den heißen Kakao taucht. Einen kurzen Moment wundern, dann wieder konzentrieren und nach dem Punkt weiterlesen. Punkte ermöglichen das Kunststück sozialer Anteilnahme, während man einen Text liest. Ist ja auch was wert!

Drittens: Drive!

So ein Text lebt schließlich auch vom Rhythmus. Wo sich lange Wort-Würste aneinanderreihen, wird dem Leser am schnellsten übel. Also: Immer schön im Dreivierteltakt schreiben. Ein vollständiger Satz. Dann ein Satz mit Lücken („Ellipse“). Zwischendurch nur ein Wort. Dann wieder ein Satz mit allem Drum und Dran. So bleiben Autor und Leser im leichten Swing, man tänzelt gemeinsam durch den Text. Und die Chancen, zu Ende gelesen zu werden, erhöhen sich. Was schließlich Voraussetzung dafür ist, verstanden zu werden. Ist das nicht der Sinn von allem Geschriebenen?

Kategorien: Allgemein

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